Heimarbeit
Wirtschaftswunder am Küchentisch
 

Eine besondere Begabung

Frau C. kam Anfang 1974 jungverheiratet mit ihrem Mann aus der Türkei nach Lustenau, um in der boomenden Stickereiindustrie zu arbeiten. Nach einer kurzen Zeit in einem Textilbetrieb begann Frau C. als Heimarbeiterin zu arbeiten, da ihre im selben Jahr geborene, älteste Tochter spezielle Pflege brauchte. 
Eine Nachstickerin aus dem Bekanntenkreis vermittelte ihr privat das notwendige Know-How, und Frau C. zeigte rasch eine besondere Begabung für das anspruchsvolle Nachsticken.

Sie blieb bei diesem Beruf und hat bis ins Pensionsalter in ihrer Wohnung in einem kleinen Arbeitszimmer gearbeitet. Die meiste Zeit ihres Lebens stickte sie für einen großen Stickereibetrieb in Lustenau. Sie war eine begehrte Nachstickerin, deren exakte Arbeit bei den Auftraggebern bekannt war.
Die Auftragslage schwankte – vor Weihnachten belief sich die wöchentliche Arbeitszeit auf bis zu 40 Stunden. Oft herrschte Druck, erinnert sich die Tochter, die ihrer Mutter häufig beim Zusammenlegen der Stoffe half. Wenn Frau C. auf Urlaub gehen wollte, übernahmen Kolleginnen in dieser Zeit die Aufträge, damit sie nicht verloren gingen.

Auch Herr C. unterstützte, dass seine Frau arbeitete. Über die Verwendung des Gehalts durfte sie allerdings selbst bestimmen.

Ihre Hände und Schultern zeigen heute Abnutzungserscheinungen durch die gleichförmige Arbeit, speziell das Ziehen der großen Stoff-Coupons. Zu ihrem Glück war Frau C. sozialversichert und verfügt somit heute über eine kleine Pension.

Aufnahmeort: Lustenau, Rheintal
Datierung: 2003
zur Verfügung gestellt von Fatma C.
Herzlichen Dank!

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