Heimarbeit
Wirtschaftswunder am Küchentisch
 

Stickferggerei Doren

Wir in Doren hatten auch viele Jahre Stickerei-Heimarbeit. Es gab viele Stickerinnen, oft standen zwei bis drei Maschinen in einem Haus. Mein Großvater Hermann Böhler leitete viele Jahre die Stickferggerei in Doren. Er arbeitete mit verschiedenen Schweizer Firmen zusammen, am meisten mit der Firma Rohner Paul aus Walzenhausen. Noch in alten Tagen konnte er sich gut an diese Firma erinnern.

Mein Großvater begann die Ferggerei in Doren im Jahre 1903. Später übernahm meine Großmutter Aloisia Böhler die Firma (1949 bis 1958). Dann war meine Tante Olga Gasser geb. Böhler an der Reihe, vom Jahre 1958 bis 1975 war sie für die Ferggerei Doren zuständig. Da es in Doren keine Nachfolgestelle gab, wurde die Ferggerei 1975 nach Krumbach ausgelagert und von Frau Steurer Marianne übernommen.

Wir wohnten direkt neben den Großeltern, so bekam ich ein bisschen von der Stickerei mit. Die Stickereiware wurde früher mit dem Wälderbähnle nach Doren-Bozenau gebracht. Von dort ging es mit dem Pferdefuhrwerk nach Doren-Hemmessen 113. Später mit einem kleinen VW.

Bei meinem Großvater gab es ein Zimmer speziell für die „Stuck", so hat man die Ware genannt. Wenn die Pferde ankamen, war ich natürlich auch zur Stelle. Ich fand es aufregend, die großen Säcke wurden ausgeleert und sortiert, da waren viele Frauen herum, jede hatte andere Wünsche. Die eine sagte: „Ich habe momentan nicht viel Zeit, ich muss aufs Feld zum Heuen“, also bekam sie nur ein kleines „Stuck". Eine andere wollte doppelt so viel Ware. Manche Frauen haben sich gegenseitig geholfen, wenn eine nicht rechtzeitig fertig wurde.

Ich hatte fünf Tanten, alle haben viele Jahre gestickt, die zwei Jüngsten (oben links und unten: Christina Bechter, oben rechts: Emma Bereuter) noch bis ins hohe Alter, es hat ihnen Freude bereitet.

Die Maschinen wurden meistens gekauft, sie durften dann bei der Hochzeit mitgenommen werden. So konnte die junge Frau gleich ein wenig Geld verdienen. Später kamen dann die Pariser Maschinen mit Motor, sie wurden von der Firma leihweise zur Verfügung gestellt. Diese Maschinen waren eine große Erleichterung.  

Aufnahmeort: Doren
Text und Fotos zur Verfügung gestellt von Elvira D.
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